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Habt ihr schon mal kleine Vogelkinder aus nächster Näher beobachtet und aufwachsen sehen? So richtig nah? Wir hatten in den letzten Tagen das Glück.
Auf der Dachterrasse meiner Tochter hat sich in den Balken der Überdachung ein Amselpärchen sein Nest gebaut. Die Terrasse wird oft genutzt. Dort wird gegessen, gearbeitet, gefeiert. Da ist also fast ständig was los. Davon ließen sich die Amseln aber weder beim Brüten noch beim Füttern des Nachwuchses stören. Hier und da kam es sogar vor, dass sie nur haarscharf über den Köpfen der Anwesenden hinwegflogen.

Die Geburtsstunde der Amselkinder durften meine Tochter und mein Schwiegersohn miterleben. Wenn man ganz leise war, konnte man tatsächlich hören, wie die Eierschalen auseinander knackten. Nach jedem Knacken war kurz darauf ein zaghaftes Piepen zu vernehmen. Zuckersüß, wie die stolze Amselmama vom Nestrand aus ihren Nachwuchs ausgiebig bewundert hat. Ich wär so gern dabei gewesen!
Die leeren Eierschalen wurden von der fürsorglichen Amselmama nicht einfach nur aus dem Nest katapultiert, sondern an einen entfernteren Ort geflogen. Auch der Kot der Jungvögel wurde auf diese Weise entsorgt. Sehr schlau! Fressfeinde werden so nicht auf das Nest aufmerksam gemacht.
Nachdem die Jungen geschlüpft waren, vier Stück an der Zahl, tauchte auch der Amselvater wieder auf. Das Brutgeschäft war Frauensache, aber die Versorgung der Jungvögel übernahmen beide gemeinsam.




Bei einem Familiengrillen konnten auch wir die Aufzucht der Vogelkinder aus nächster Nähe beobachten. Es regnete zwar, aber egal. Regen hin, üsseliges Wetter her. Grillen war geplant, also wurde gegrillt. Da sind wir konsequent. Um trocken zu bleiben, mussten wir den Tisch so weit unter die Überdachung schieben, dass sich das Nest fast über uns befand. Die frischgebackenen Vogeleltern waren ja Gott sei Dank nicht menschenscheu und fütterten die Kleinen trotz unserer Anwesenheit. Unser Essen geriet dabei zur Nebensache, obwohl unsere Tochter als Salat- und Beilagenfee und unser Schwiegersohn als Grillmeister richtig lecker aufgetischt haben. Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit so was zu sehen.

Amselmännchen und Amselweibchen brachten abwechselnd Futter. Kurios zu beobachten, wie unterschiedlich beide dabei vorgingen. Das Männchen stopfte die Würmer einfach in die Schnäbel, die es am bequemsten erreichen konnte. Das Weibchen verteilte das Futter gleichmäßig. Ihr Gerechtigkeitsinn ging sogar so weit, dass sie, was Papa dem falschen gegeben hat, kurzerhand wieder aus dem Schlund zog und einem zu kurz gekommenen Piepmatz verabreichte.




Übrigens - wusstet Ihr, dass Amseln zählen können? Vergesst Zirkusponys, die angeblich Rechenaufgaben lösen. Das ist eingeübt und beeindruckt nur Kinder. Amseln - das sind die stillen Stars! Die Amselmama hatte für ihre vier Kinder tatsächlich vier!!! Beeren im Schnabel. Wie genial ist das denn?! Okay, war Zufall. Aber erstmal bleibt einem vor Staunen der Mund offen stehen.

Die Schnäbel der kleinen Piepmätze waren permanent nach oben gereckt, damit um Himmels Willen bloß keine Mahlzeit verpasst wurde. Geschlossen waren sie nur, wenn die Augen langsam zu fielen, der Kopf schwer und schwerer wurde und ganz langsam auf den Nestrand sank. Nach einem kurzen Powernapping war der Überlebenstrieb wieder wach und es wurde weiter um Futter gebettelt.


         






Unfassbar schnell sind aus den federlosen Winzlingen große Vögel geworden (für Amselverhältnisse). Eins der Kleinen hat uns auf seinem Weg in die Selbstständigkeit in ziemliche Aufregung versetzt. Aber davon erzähle ich Euch das nächste Mal.





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